Empfehlungen

Jörg Kronauer, Meinst du, die Russen wollen Krieg?

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Russland, der Westen und der zweite Kalte Krieg
Papyrossa, 207 Seiten, 14,90 €


Ein interessantes, aufklärerisches Buch. Jörg Kronauer, freier Journalist und Redakteur des Nachrichtenportals german-foreign-policy.com, untersucht in seinem neuen Buch das Verhältnis des Westens zu Russland. Dabei setzt er vier Schwerpunkte: Die deutsche Russlandpolitik (mit ihren Wurzeln im 19. Jh.), die amerikanische Russlandpolitik (seit Anfang des 20. Jh.), die russische Westpolitik und schließlich die Entwicklung seit den 90er Jahren bis in die Gegenwart. Seine hintergründigen Recherchen liefern ausreichend Material, die offiziellen Verlautbarungen deutscher Außenpolitik, z.B. zum Thema Krim, zumindest in Frage zu stellen.
Der Autor ist am Mittwoch, 05.12.2018 um 19.00 Uhr zu Gast im prolibri Buchladen, Schillerstrasse.

Sebastian Barry, Tage ohne Ende

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Roman
Aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser
Steidl Verlag, 256 Seiten 22,00 €

Wild, düster, romantisch – mit Tage ohne Ende ist Sebastian Barry wirklich ein großartiger Frontier-Roman gelungen und auch die geniale Übersetzung von Hans-Christian Oeser kann nicht genug gelobt werden. Dieser so noch nie gelesene, schnoddrige Ton, in dem Thomas McNulty sein Leben erzählt. Angefangen mit der Flucht vor der Irish potato famine, seiner Karriere als Tanzmädchen in einem Saloon für Bergarbeiter und nicht endend mit den Abenteuern, die er nach seinem Eintritt in die U.S.-Armee erlebte. Aber auch das Grauen der Feldzüge gegen die Indianer und des amerikanischen Bürgerkriegs, und immer an seiner Seite sein Gefährte John Cole. Ein unerhörtes und (entbehrungs-) reiches Leben im „Wilden Westen“, erzählt mit großer Souveränität.

Tom Franklin, Krumme Type, krumme Type

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Roman
Aus dem Amerikanischen von Nikolaus Stingl
Pulp Master, 402 Seiten, 15,80 €

Chabot, Mississippi. Als die 19jährige Tina Rutherford vermisst wird fällt der Verdacht sofort auf Larry Ott, denn er war irgendwie verwickelt in das Verschwinden von Cindy Walker vor 25 Jahren. Nie verurteilt fristet er sein Leben seitdem als gemiedener Eigenbrötler. Als er angeschossen wird betraut man Constable Silas Jones, den mit Larry und seiner Vergangenheit ein dunkles Ereignis verbindet, mit den lästigen Ermittlungen. Dabei brechen alte Wunden auf und Jones stößt auf ein wahres Schlangennest aus Verrat und Intrigen.

Klassisch schnörkellos und atmosphärisch dicht erzählt steht dieser 49. Roman exemplarisch für den Pulp Master Verlag, der das Herz von Fans von Pulp-, Noir-, oder Hard-boiled-Romanen höher schlagen läss!

"Pulp Master ist definitiv das härteste und schönste und unverbrüchlichste Label der Zunft." Tobias Gohlis/ Krimitagebuch
Und das mit den schönsten und unverwechselbarsten Covern, möchte ich hinzufügen...


Khaled Khalifa, Der Tod ist ein mühseliges Geschäft

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Roman
Aus dem Arabischen von Hartmut Fähndrich
Rowohlt, 219 Seiten, 20 €

Die Geschwister Bulbul, Hussain und Fatima haben sich über die Jahre auseinandergelebt. Man weiß nicht viel vom Leben des anderen. Trotzdem möchten sie ihrem verstobenen Vater seinen letzten Wunsch erfüllen und ihn in seinem Heimatdorf beerdigen. In Friedenszeiten wären die 300 km von Damaskus nach Anabija, nördlich von Aleppo, an einem Tag zu bewältigen gewesen. Aber im heutigen Syrien wird die Fahrt zu einer Reise mit kaum zu überwindenden Hindernissen. Khalifa, der in Damaskus lebt, erzählt von Menschlichkeit und alltäglichen Dramen, von Haltung in haltlosen Zeiten, Tradition und Korruption. Ein eindringlicher Einblick in den syrischen Alltag.

Dietmar Dath, Karl Marx

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Reclam Verlag, 100 Seiten, 10,00 €

Wie „(k)ann jemand, der Aufstände begrüßt, eine Diktatur fordert, Philister erschreckt und sich nicht scheut, die seit Urzeiten bestehende gesellschaftliche Wirklichkeit als „die ganze alte Scheiße“ zu beschimpfen, eine Wissenschaft begründen, sei es nun die des Sozialismus oder sonst eine?“ In diesem neuen, sehr lesenswerten Band der Reihe Reclam 100 Seiten findet der Journalist und Autor Dietmar Dath kluge Antworten auf diese Frage. Er liefert eine brillante Einführung in das Marxsche Denken als Philosoph seiner Zeit und begründet seine anhaltende Aktualität. Ein schwungvoller Ausflug in die Welt der Philosophie, der das eigene Weltverständnis durchaus ins Wanken bringen kann!

Ian McGuire, Nordwasser

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Roman

Aus dem Englischen von Joachim Körber

Mare Verlag, 304 Seiten, 22,00 €

Ein Roman von existentieller, biblischer Wucht - Herman Melville trifft hier auf Cormac McCarthy. Als der Walfänger Volunteer im April 1859 Richtung Nordpolarmeer ausläuft ist die große Zeit des Walfangs längst vorüber und Reeder Baxter will durch einen Versicherungsbetrug noch einmal gutes Geld machen. Teil der zusammengewürfelten Mannschaft sind auch der instinktgesteuerte Harpunier Henry Drax und der unehrenhaft entlassen Militärarzt Patrick Sumner. Ein ungeheuerliches Verbrechen an Bord lässt die Situation dramatisch eskalieren, die Ereignisse überschlagen sich… Am Ende bleiben Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung und die schreckliche Dunkelheit der arktischen Nacht. Oder könnte Hunger und Schmerz doch ein Funke Hoffnung innewohnen?

Roland Spranger, Tiefenscharf

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Kriminalroman

Polar Verlag, 286 Seiten, 18,00 €

„Das Leben ist nicht immer fair zu einem. Vor allem, wenn die falschen Entscheidungen getroffen werden.“ Ganz schön hard-boiled für einen deutschsprachigen Kriminalroman und sicher nichts für schwache Nerven. Friedrich-Glauser-Preisträger Roland Spranger zaubert uns ein spannendes, atmosphärisch dichtes Lesefutter aus der „wahren“ Welt. Ein misslungener Methamphetamin-Schmuggel an der deutsch-tschechischen Grenze, ein toter „Penner“ und ein investigativer Videojournalist bilden den brisanten Auftakt zu diesem rasanten Buch. Tiefenscharf lotet Abgründe aus und ist sicher das Gegenteil von einem Wohlfühlkrimi.

Der Polar-Verlag hat übrigens noch weitere starke Titel im Programm und ist eine echte Entdeckung für Krimi-Fans!

Navid Kermani, Entlang der Gräben

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Eine Reise durch das östliche Europa bis nach Isfahan

C.H.Beck, 442 Seiten, 24,95 €

Es ist immer wieder faszinierend mit Navid Kermani durch die Welt zu reisen. Denn er ist ein großartiger Erzähler und unermüdlicher Reporter, bringt uns Länder und Menschen so nah, wie es ein Buch eben kann. In der Tradition der großen Reisereportagen folgen wir ihm von Köln durch den „nahen“ Osten (Litauen, Polen, Weisrussland, Ukraine) über den Kaukasus bis in die Heimat seiner Eltern, nach Isfahan (Iran). Die Geschichten, die er unterwegs sammelt, und die Geschichte, in deren Kontext er sie bettet, das ist Aufklärung im besten Sinne des Wortes. Wer die Welt ein wenig besser verstehen möchte, der sollte sie mit Navid Kermani bereisen.

Ein Lob auch an den Verlag, der den Verlauf der Reiseroute schön und übersichtlich auf dem Vorsatz abgebildet hat.

Alexander Peschmann, Sieben Lichter

Kategorie: Empfehlungen

Roman, Steidl Verlag, 166 Seiten, 18,00 €

Zugrunde liegt dieser klassischen Seefahrernovelle ein rätselhafter Kriminalfall aus dem Jahr 1828. Im Juni erreicht eine Brigg die irische Hafenstadt Cove – an Bord sieben gefesselte und erschlagene Männer. Die Aussagen der Überlebenden sind widersprüchlich, der Fall bleibt rätselhaft. Ich-Erzähler Fitzgerald und sein Schwager Scoresby greifen den offiziellen Ermittlungen vor, stellen eigene Erkundungen an und versuchen, die Psyche des Mörders zu ergründen. Wahnsinn oder Verzweiflung?

Dem Anglisten Alexander Pechmann gelingt hier ein an seiner Übersetzertätigkeit (u.a. Melville und Shelley) geschultes literarisches Kleinod, seine Sprache lässt echte Charaktere entstehen und schafft Spannung und Dynamik durch kurze, pointierte Sätze. Und man schmeckt das Meer…

Geoffrey Household, Einzelgänger, männlich

Kategorie: Empfehlungen

Aus dem Englischen von Michel Bodmer

Kein & Aber, 365 Seiten, 12,00 €

„Simply the best escape and pursuit story yet written“, urteilte The Times, als das Buch 1939 erschien. Und auch heute sicher noch eine der besten Flucht- & Verfolgungsstorys ever. Ein passionierter Hobbyjäger auf der Pirsch. Ist es wirklich nur reiner Sportgeist, wie er uns später erzählt, der ihn an sein Ziel heranführt? Einen namenlosen, „großen“ Mann auf einem streng bewachten Anwesen, der seinerzeit in Europa für Furore sorgt. Doch unser Jäger wird erwischt, brutal verhört, kann jedoch entkommen. Eine atemlose Jagd, die in einem kammerspielartigen Finale endet, beginnt. Household gelingt ein literarischer, psychologisch raffinierter Spannungsroman, der Vergleiche mit den Werken seines Zeitgenossen Graham Greene in keiner Weise zu scheuen braucht.

Gael Faye, Kleines Land

Kategorie: Empfehlungen

Roman

Aus dem Französischen von Brigitte Große und Andrea Altmann

Piper, 223 Seiten, 20,00 €

Burundi ist ein kleines Land im Herzen Afrikas. In seinem beeindruckenden Debütroman erzählt Gael Faye die Geschichte von Gaby, einem 11jährigen Jungen, der Anfang der 90er Jahre in Bujumbura, der Hauptstadt, aufwächst. Er ist Sohn einer Ruanderin und eines Franzosen, seine Kindheit ist unbeschwert und privilegiert. Glückliche Tage, in denen er mit seinen Freunden durch das Viertel streift, Mangos klaut und Bananenstaudenboote baut. Aber die ethnischen Spannungen zwischen Hutu und Tutsi nehmen zu, bis die Situation im Nachbarland Ruanda aufs Grausamste eskaliert… Eine betörende, poetische Rückkehr in die vergessene Welt einer Kindheit und über deren unwiederbringlichen Verlust.

Denis Johnson, Die lachenden Ungeheuer

Kategorie: Empfehlungen

Roman

Aus dem Englischen von Bettina Abarbanell

Rowohlt, 226 Seiten, 22,95 €

Denis Johnson, der leider im Mai verstorbene US-amerikanische Autor, erzählt eine hintergründige Spionagegeschichte aus Westafrika und wir reisen mit ihm in ein neues Herz der Finsternis. Eine Nachricht seines Freundes Michael Adriko lässt Roland Nair nach Freetown, Sierra Leone, zurückkehren. Vor 10 Jahren haben die beiden Glücksritter hier gute Geschäfte gemacht und Adriko scheint wieder einen großen Deal zu planen. Oder hat er Nair wirklich nur als Trauzeugen für seine Hochzeit mit Davidia St. Claire eingeladen? Alle drei haben ihre Geheimnisse, spielen nicht mit offenen Karten, und ihre Reise durch ein von der Zukunft anscheinend aufgegebenes Land zu Adrikos Familie ins kongolesisch-ugandische Grenzgebiet kommen sie einander näher und die Dinge erscheinen plötzlich in einem anderen, neuen Licht. Oder besser: in einer neuen Dunkelheit.

Tim Marshall, Die Macht der Geographie

Kategorie: Empfehlungen

Wie sich Weltpolitik anhand von 10 Karten erklären lässt

Aus dem Englischen von Birgit Brandau

dtv, 318 Seiten, 12,90 €

Unser geografisches Wissen schwindet, uns geht der Überblick im Klein-Klein der täglichen Nachrichtenflut verloren. Marshalls Buch kann da Abhilfe schaffen. Wir reisen mit ihm durch die Welt und er erklärt, warum wir prisoners of geography, so der (eigentlich bessere) Originaltitel, sind. Er skizziert in klaren Worten wesentliche (kultur-) historische Hintergründe und zeigt, welchen Einfluss die geographische Lage auf aktuelle politische Entwicklungen und Konflikte haben kann. So werden komplexe geopolitische Zusammenhänge erkennbar. Aktuell ist besonders das Kapitel über Korea und Japan interessant. Leider lässt das vorhandene Kartenmaterial zu wünschen übrig und der Tonfall manchmal etwas flapsig. Schade bei diesem interessanten Thema.

Patrick Deville, Pest & Cholera

Kategorie: Empfehlungen

Aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller

Unionsverlag, 234 Seiten, 12,95 €

Der Roman eines abenteuerlichen, leidenschaftlichen Lebens vor dem Hintergrund einer bewegten Epoche. Alexandre Émile Jean Yersin, geboren 1863, tritt bereits als Kind in die Fußstapfen seines früh verstorbenen Vaters, eines begeisterten autodidaktischen Botanikers und Insektenkundlers. Berühmt wird der vom naturwissenschaftlichen Forschergeist in die Welt Getriebene durch die Entdeckung des Pesterregers, ihm zu Ehren Yersinia pestis gennant.

Deville, Schriftsteller und Weltreisender, erzählt spannend und detailreich. Es gelingt ihm, das Leben dieses außergewöhnlichen Mannes mit großer Fabulierlust in bewegenden Geschichten einzufangen und lebendig werden zu lassen. Große Literatur und ein wunderbarer, durchaus anspruchsvoller Schmöker.

Hari Kunzru, White Tears

Kategorie: Empfehlungen

Roman

Aus dem Englischen von Nicolai von Schweder-Schreiner

Liebeskind Verlag, 349 Seiten, 22,00 €

Ein Roman wie ein jazziges Blues-Album & ein guter Schluck Whisky. Carter und Seth sind Aus-der-Welt-Gefallene, der eine ein superreicher, exzentrischer Hipster, der andere ein Vorstadtniemand. Was sie verbindet ist ihre Liebe zur Musik. Ihre Remixe und Samplings sind in der New Yorker Musikszene sehr gefragt. Aus einem alten Bluessongfragment komponieren sie einen neuen Song, erfinden den Interpreten Charlie Shaw und stellen den Song ins Netz. Die Reaktionen sind phänomenal, das Lied eine Sensation. Doch dann meldet sich jemand und behauptet, Charlie Shaw gekannt zu haben - und er will die Platte um jeden Preis haben. Carter und Seth lassen sich auf ein unbekanntes Spiel mit gefährlichem Ausgang ein…

Patrick McGinley, Bogmail

Kategorie: Empfehlungen

Roman mit Mörder

Aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser Steidl, 336 Seiten, 24,00 €

In der Ausgabe der Büchergilde Gutenberg 19,95 €

Glenkeel, ein idyllisches Örtchen an der irischen Westküste. „Eales muss vernichtet werden“, ist Pubbesitzer Roarty überzeugt, denn sein Barmann hat seine Lustfinger nach Töchterchen Cecily ausgestreckt. Der Versuch mit dem Pilzomelett schlägt fehl, also muss ein neuer Plan her. Doch kaum ist die Leiche im Moor entsorgt fangen die Probleme erst an…

Bogmail ist ein moderner Klassiker der irischen (Kriminal-) Literatur, ein satirischer Blick auf den schrägen Mikrokosmos der irischen Provinz, psychologischer Spannungsroman und dörfliche Komödie mit einer guten Prise schwarzen Humors und herrlich ausufernden Thekengesprächen. Und auch Band 25 der Encyclopedia Britannica von 1911 spielt eine gewichtige Rolle.


David van Reybrouck, Zink

Kategorie: Empfehlungen

Aus dem Niederländischen von Waltraud Hüsmert

Suhrkamp Verlag, 86 Seiten, 10,00 €

Nach seiner hochgelobten, monumentalen Studie Kongo entfaltet der Autor in diesem schmalen Bändchen ein europäisches Panorama zum Anfassen. Neutral-Moresnet, eine Mikronation, entstanden aus Grenzstreitigkeiten zwischen den Niederlanden und Preußen 1816, existierte gut 100 Jahre und spiegelt ein Stück Geschichte unserer (Grenz-) Region zwischen Krieg(en) und Völkerverständigung. Geschichte zum Anfassen, fast vor der Haustüre, die am Schicksal Emil Rixens, Sohn eines Rheyter Dienstmädchens, auf bewegende Weise erles- und erlebbar wird. Ein leider kurzes, inhaltsreiches Lektüreglück, das lange nachhallt. Und das seltene Galmei-Veilchen lädt jetzt (Blütezeit Mai bis August) ja geradezu ein zu einem Ausflug in diese historische Region um Kelmis.

Michael Lüders, Die den Sturm ernten

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Wie der Westen Syrien ins Chaos stürzte

C.H. Beck, 174 Seiten, 14,95 €

Schon in seinem vor 2 Jahren erschienen Buch Wer den Wind sät – was westliche Politik im Orient anrichtet beschrieb der langjährige Nahost-Korrespondent der ZEIT sehr detailliert und hintergründig die westliche Interventionspolitik im Nahen und Mittleren Osten seit der Kolonialzeit und erklärte, was sie mit der aktuellen politischen Situation zu tun hat. Im neuen Buch legt er nun den Schwerpunkt auf den Krieg in Syrien und vieles von dem, was er im Verlauf seiner Recherche erfahren musste hätte er „am liebsten gar nicht erst gewusst – weil auf einmal vermeintliche Gewissheiten oder längst verinnerlichte Überzeugungen auf dem Prüfstand stehen", so Lüders in seinem sehr klugen Ausblick am Ende des Buches. Auch deswegen sicherlich mit das Beste, was zum Thema zu lesen ist.

Xavier-Marie Bonnot, Die Melodie der Geister

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Ein Fall für Michel de Palma

Unionsverlag, 361 Seiten, 12,95 €

Aus dem Französischen von Gerhard Meier

Ein Leckerbissen für Liebhaber des guten Kriminalromans! Dr. Delorme, angesehener Neurologe und Sammler Primitiver Kunst, wurde ermordet, auf seinem Schreibtisch liegt aufgeschlagen Freuds Werk Totem und Tabu. Die Spuren führen einerseits in die Unterwelt von Marseille, andererseits scheint es eine Verbindung zu einer Expedition zu geben, die Delorme 60 Jahre zuvor nach Papua-Neuguinea unternommen hat. Was hat es mit der Maske aus sich, die dem Toten auf das Gesicht gesetzt wurde? Und warum fehlt ein wertvoller Schädel? De Palma ermittelt mit seinen Kollegen mal subtil, mal rasant… Bonnot versteht sein Handwerk und verwebt die Erzählstränge kunstvoll und spannend, gleichzeitig gelingt ihm ein wunderbarer Roman über Marseille und Frankreichs späte Kolonialzeit.

Simon Beckett, Totenfang

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 Thriller, Wunderlich, 560 Seiten, 22,95 €

Aus dem Englischen von Sabine Längsfeld und Karen Witthuhn

Dr. David Hunter, der genialen forensischen Anthropologen, den wir noch in bester schauriger Erinnerung haben, ist zurück. Mit dem fünften Buch erfüllt Beckett den großen Wunsch der weltweiten Fangemeinde, und er enttäuscht sie wahrlich nicht. In den Backwaters, einem unwirtlichen Mündungsgebiet in Essex, wo die Grenze zwischen Land und Wasser verschwimmt, wird eine stark verweste Wasserleiche angespült, Hände und Füße fehlen. Die Polizei glaubt zu wissen, um wen es sich handelt, Hunter hat da so seine Zweifel… Sofort wird man wieder hineingezogen in die düstere Atmosphäre der englischen Landschaften und ihrer geheimnisvollen Bewohner. Täter oder Opfer? David Hunter muss feststellen, dass die wahren Gefahren dort lauern, wo er sie am wenigsten vermutet. Ein gelungenes Comeback!

Navid Kermani, Sozusagen Paris

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Hanser, 284 Seiten, 22,00 €

Einen Roman über die erste große Liebe seiner Jugend hat er geschrieben, der Schriftsteller: Grosse Liebe. Damals, Anfang der 80er Jahre, er ist 15, sie unerreichbare 18 Jahre alt… Nach einer Lesung in einem Provinzstädtchen steht sie plötzlich vor ihm, die ehemals Schönste des Schulhofs. Was wird aus einer großen Liebe – 30 Jahre später? Über diese zufällige Begegnung zweier am Leben und der Liebe gereiften Menschen hat Kermani einen Liebesroman der ganz eigenen, besonderen Art geschrieben, ein literarisches Kabinettstück. Literarisierte Wirklichkeit verpackt in eine andeutungs- und assoziationsreiche Erzählweise, mal banal und böse, dann wieder tiefgründig, insgesamt überraschend vielschichtig und durchaus auch witzig - ein Roman, fast wie das Leben selbst.

Winand Herzog, Unter Augenzwang enstand der Traum

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Ein begleitender Essay zum 60. Publikationsjubiläum von Christoph Meckel. edition paroikia 2016, 60 S. mit zahlreichen farbigen Abbildungen, fadengebunden, limitierte nummerierte Auflage 150 Ex., 12 €

Christoph Meckel ist einem größeren Publikum v.a. durch den Liebesroman „Licht“ und das autobiographische „Suchbild. Über meinen Vater“ bekannt. Für seine Gedichte, gesammelt in „Tarnkappe“, erhielt er im September 2016 den wichtigen Hölty-Preis. Als Grafiker arbeitete er 50 Jahre an seiner 2000 Radierungen umfassenden „Weltkomödie“. Winand Herzog, Meckel-Ausstellungsmacher und Experte, führt mit diesem Buch in das Werk der vergangenen 60 Jahre ein und teilt eine kleine Wegstrecke mit den zahlreichen Verlorenen, die Meckels Weltränder durchwandern, spürt in dessen Bildern der selbstgewählten Primitivität des sorglosen Feuerwerkers nach und erklärt, warum Meckel eine Wirklichkeit nie genug sein kann. Sein jahrzehntelanges Sommerdomizil in Südfrankreich scheint als magisch-symbolischer Ort in diesem Essay auf, der mit Notizen zu etwa einem Dutzend zentraler Gedichtbände Meckels abschließt.

Carel van Schaik & Kai Michel, Das Tagebuch der Menschheit

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Was uns die Bibel über unsere Evolution verrät

Rowohlt, 569 Seiten, 24,95 €

Kann es sein, dass die Bibel noch gar nicht die Aufmerksamkeit erhalten hat, die sie eigentlich verdient hätte? Ein kurioser Gedanke. Doch bemerkenswerter Weise hat bislang niemand das Buch der Bücher aus einer evolutionären Perspektive heraus gelesen. Ausgerüstet mit den neuesten Erkenntnissen der Kognitions- und Evolutionswissenschaften und gestützt auf theologische und historische Quellen zeigen die Autoren, welche tiefen Einblicke die Bibel in die Natur und Kultur des homo sapiens gewährt und liefern somit gleichzeitig den Schlüssel für ein besseres Verständnis des Menschen im Hier und Jetzt. Eine faszinierende, gut lesbare und profunde Reise voll überraschender Erkenntnisse zu den Geheimnissen unserer kulturellen Evolution.  

Saphia Azzeddine, Bilqiss

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Aus dem Französischen von Birgit Leib

Wagenbach, 173 Seiten, 20,00 €

„Im Gegensatz zu euch spreche ich nicht in Seinem Namen. Aber ich fühle es intuitiv. Ihr verehrt Gott, Er aber hasst euch.“ Die junge, attraktive Witwe Bilqiss steht vor Gericht. Ihr droht die Steinigung, zahlreich sind die ihr zur Last gelegten Taten. Doch der Richter will kein Urteil sprechen und der Prozess gewinnt die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit. Eine amerikanische Journalistin reist an, um eine große Reportage über den Fall zu machen… Dreistimmig erzählt Azzeddine diese Geschichte, leicht und ironisch im Ton und doch sehr ernst in der Sache spielt sie mit „Wahrheiten“, Zwischentöne klingen an. Vermeintliche Gewissheiten über Kulturen, Religionen, Geschlechter verschwimmen – ein kluger Roman.

Donald Ray Pollock, Die himmlische Tafel

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Aus dem Englischen von Peter Torberg

Liebeskind Verlag, 428 Seiten, 22,00 €

Donald Ray Pollock is back. Und wie! Ähnlich fulminant wie in seinem ersten Roman Das Handwerk des Teufels erzählt Pollock uns eine mitreißende, tragikomische Ballade aus dem Jahr 1917. Während im Süden Ohios Ellsworth Fiddler um sein mühsam Erspartes betrogen wurde, deswegen der Haussegen schiefhängt und nun auch noch sein Sohn verschwunden ist machen sich in Georgia die Jewett-Brüder daran, den vom verstorbenen Vater erstrebten Platz an der himmlischen Tafel schon auf Erden einzunehmen. Dazu folgen sie, auf gestohlenen Pferden und schwer bewaffnet, dem Weg ihres großen Helden Bloddy Bill Bucket, einem Bankräuber aus einem Groschenroman, neben der Bibel das einzige Buch, das die Brüder kennen… Verrückte Figuren, spannende Geschichten und bisweilen natürlich wieder düster und böse – Pollock at its best!